Seit 25 Jahren Flüchtlingsberaterin

Xanten. Wie schnell verging die Zeit: Seit 25 Jahren ist Heike Pullich-Stöffken bei der Diakonie als Flüchtlingsberaterin beschäftigt. Ein Bereich, in dem viel Improvisationstalent gefragt war und ist. Zwischenzeitlich waren es drei Mitarbeiterinnen der Diakonie (2015-2020) die nach Deutschland geflüchtete Menschen in Xanten beraten haben.

„Mir ist immer noch das Bild an meinem ersten Arbeitstag vor Augen“, berichtet die gelernte Kinderpflegerin. Direkt an diesem Tag war Pullich-Stöffken dabei, als eine Flüchtlingsfamilie aus dem Kosovo abgeschoben wurde. Die Kinder standen am Fenster. „Ich fühlte Hilflosigkeit“, so die Flüchtlingsberaterin. Nun 25 Jahre später, bringt sie viel Berufserfahrung mit und hat sich durch viele Fortbildungen großes Wissen erworben. Wenn Menschen schon abgeschoben werden müssten, weist Pullich-Stöffken gerne auf die „freiwillige Ausreise“ hin, denn: „Das bietet zumindest die Möglichkeit zu gehen, ohne von der Polizei abgeführt zu werden.“

„Alle relevanten gesetzlichen Regelungen zu kennen und auch die größer werdende Menge an Geflüchteten hat uns als Ökumenischen Arbeitskreis Asyl Ende der 1990er Jahre schnell dazu bewogen, die Stelle auszuschreiben“, erzählt Wolfgang Schneider, von Beginn an Begleiter der Flüchtlingsberaterin. „Das musste in berufliche Hände“. „Die Ausschreibung fand ich interessant und habe mich sofort beworben“, so Pullich-Stöffken. Da der Arbeitskreis Asyl selbst kein Dienstgeber sein konnte, wurde die Diakonie im Kirchenkreis Kleve als Anstellungsträger gefunden. „Die Refinanzierung lief damals über eine Aktion `Arbeit statt Sozialhilfe´, ich war damals alleinerziehend“, erinnert sich die 59-Jährige heute.

„Wir haben immer versucht, Frau Pullich zu halten und die Stelle finanziert zu bekommen“, ergänzt Barbara Kleinpaß, ebenfalls Wegbegleiterin im Arbeitskreis Asyl, der sich nun Flüchtlingshilfe Xanten nennt. „Frau Pullich war und ist jemand, der immer ansprechbar ist und dabei nicht auf die Uhr schaut.“ Zu den vielfältigen Aufgaben der Flüchtlingsberaterin gehören Beratung und Unterstützung bei der Korrespondenz mit Ämtern und Behörden. Sie ist behilflich bei der Wohnungssuche für Flüchtlinge, welche die Unterkunft verlassen dürfen. Auch der Alltag mit Kindergarten, Schule und Elternabenden ist für Menschen aus anderen Kulturen komplettes Neuland. „Manches wäre einfacher für Flüchtlinge, wenn es nicht ausschließlich auf dem digitalen Weg eingereicht werden müsste“, kritisiert die Beraterin. Natürlich ist sie auch Ansprechpartnerin für die Flüchtlingshilfe Xanten, die ihrerseits Sprachpatenschaften und weitere Unterstützung organisiert und anbietet.

Heike Pullich-Stöffken berät Menschen in den Unterkünften in Xanten und unterstützt anerkannte Migranten bei ihrer Integration. Auch die Kirchengemeinden im Kirchenkreis können auf die Expertise von Frau Pullich-Stöffken zurückgreifen. „Selbst wenn Menschen schon längere Zeit hier sind, so haben sie doch immer noch Fragen und Unterstützungsbedarf“, ist die Erfahrung von Heike Pullich-Stöffken. Sie hat in 25 Jahren ein Ohr dafür bekommen, auch schlecht Deutsch sprechende Menschen zu verstehen. „Die Beziehung zu den Flüchtlingen muss professionell sein, ich werde nicht Freund oder Freundin“, erzählt die Beraterin. Und doch gibt es ein paar Menschen aus all den Jahren, die sich aus Italien oder anderswo immer noch mal erkundigen, wie es ihr geht.

Großer Dank

Die Flüchtlingshilfe Xanten und die Diakonie danken Heike Pullich-Stöffken, dass sie diese wertvolle Arbeit 25 Jahre lang geleistet hat. „Heike Pullich-Stöffken verkörpert in beeindruckender Weise die Haltung der Diakonie, geflüchteten Menschen mit Respekt, auf Augenhöhe und empathisch zu begegnen“, würdigt Joachim Wolff, Geschäftsführer der Diakonie im Kirchenkreis Kleve, die langjährige Arbeit der Flüchtlingsberaterin. „Die Diakonie betrachtet geflüchtete Menschen eben nicht als Störfaktor oder potenzielle Messerstecher, nicht als Schmarotzer, die unsere Sozialsysteme missbrauchen wollen oder als ungebetene Konkurrenten auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, sondern als Menschen, die in ihrer Heimat verfolgt wurden oder vor Krieg und Terror geflüchtet sind. Weil sie Hilfe, Zuwendung und Unterstützung benötigen, ist die Diakonie froh, eine so engagierte und erfahrene Mitarbeiterin, wie Heike Pullich-Stöffken zu haben“, meint der Diakonie-Geschäftsführer. Im Übrigen würden Hass und Hetze gegen Migranten auch das großartige Engagement missachten, mit dem die vielen Ehrenamtlichen der Flüchtlingshilfe Xanten Geflüchtete seit Jahrzehnten begleiten und unterstützen.

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